Lehm

Lehm in der Fachwerksanierung – bewährt seit Jahrhunderten

Holz und Lehm – ein eingespieltes Duo mit Geschichte. Diese Materialkombination hat sich über Jahrhunderte bewährt – und das aus gutem Grund. Wer heute ein Fachwerkhaus instand setzen will, trifft mit Lehm nach wie vor eine kluge Wahl. Die beiden Materialien passen nicht nur konstruktiv, sondern auch bauphysikalisch bestens zusammen.

 

Feuchtetransport statt Feuchteblockade

Lehm ist diffusionsoffen und kapillar aktiv: Er nimmt Feuchtigkeit aus der Umgebung auf, speichert sie und gibt sie wieder ab, wenn die Luft trockener wird. Im direkten Kontakt mit Holz wirkt sich das positiv aus – Lehm entzieht dem Holz überschüssige Feuchte, bis sich ein Gleichgewicht einstellt.

Das funktioniert, weil Lehm eine deutlich niedrigere Ausgleichsfeuchte hat als Holz.
Die Feuchtigkeit wandert also nicht wegen der absoluten Menge, sondern weil beide Materialien unter denselben Bedingungen unterschiedlich viel Wasser binden. Genau dieser Unterschied hält das Holz trocken – dauerhaft und ganz ohne chemischen Holzschutz.

 

Bleibt Holz dauerhaft feucht, etwa weil es in einer abgedichteten Konstruktion nicht austrocknen kann, beginnt es früher oder später zu verrotten.
Folien, Dampfbremsen, abdichtende Putze oder kunststoffgebundene Schichten verhindern häufig den nötigen Feuchteausgleich – und unterbinden damit jede Rücktrocknung.

Ausgleichsfeuchte verstehen – und gezielt nutzen

Die Ausgleichsfeuchte ist der Feuchtegehalt, den ein Material bei konstanter Temperatur und Luftfeuchtigkeit von selbst annimmt – also der Zustand, bei dem weder Feuchtigkeit aufgenommen noch abgegeben wird. Bei normalem Raumklima (ca. 20 °C und 50 % relativer Luftfeuchte) liegt die Ausgleichsfeuchte von Holz bei etwa 8 bis 12 %, bei Lehm dagegen nur bei rund 0,4 bis 1,5 % – je nach Zusammensetzung. Diese Differenz führt dazu, dass Lehm Feuchtigkeit aus angrenzendem Holz aufnimmt, solange ein Ungleichgewicht besteht. So wirkt Lehm im direkten Kontakt mit Holz feuchteregulierend und schützt es dauerhaft vor Schimmel, Fäulnis und anderen Schäden.

 

Lehm im Bad – Feuchtigkeit stromfrei regulieren

Wer kennt es nicht – tropisches Klima nach der Heißwassernutzung im Bad? Frisch aus der Dusche. Durch den Wasserdampfschleier im Badezimmerspiegel lässt sich nur vage erahnen, ob die Frisur sitzt. In der Regel schaffen hier Lüften, Entlüfter oder Klimageräten Abhilfe.

Dabei geht es auch anders: Ein angenehm ausgeglichenes Raumklima im Bad lässt sich auf altbewährte Art erreichen. Ohne unmittelbares Lüften mit kalter Zugluft und auch ohne Technik, wie geräuschvolle Klimageräte und stromfressende Entlüfter. Stattdessen genügt ein Baustoff, der dafür wie gemacht ist: Lehm.

Frische Luft und freie Sicht – mit Lehmputz

Lehm nimmt überschüssigen Wasserdampf aus der Raumluft auf und gibt ihn bei trockener Umgebung wieder ab – allein durch seine natürlichen Materialeigenschaften. Schon ab etwa 5 mm Schichtstärke wird dieser Effekt spürbar.
Das Ergebnis zeigt sich unmittelbar: Die Raumluft ist nach dem Duschen weniger feucht, der Spiegel bleibt klar, die Luft fühlt sich frischer an und die Oberflächen trocknen deutlich schneller.

Tropenklima und Kondenswasser gehören der Vergangenheit an – und das senkt „ganz nebenbei“ auch das Risiko für Schimmelbildung.

Kapillarkraft statt Klimaanlage

Durch seine außerordentlich hohe Sorptionsfähigkeit in Verbindung mit einem aktiven Kapillarsystem kann Lehm Feuchtigkeit nicht nur aufnehmen, sondern über unbegrenzt viele Zyklen hinweg zwischenspeichern – dauerhaft und ohne jede Beeinträchtigung des Materials.

Bei sinkender Luftfeuchte – etwa durch Lüftung oder Abkühlung – gibt der Lehm die zuvor gespeicherte Feuchtigkeit wieder an die Raumluft ab. Die Feuchte wandert dabei durch Kapillarwirkung und Diffusion aus dem Inneren des Materials zurück an die Oberfläche und verdunstet dort allmählich.

Wichtig: Nur richtig eingesetzt unschlagbar

“Einfach gut bauen” bedeutet auch, die jeweiligen Materialeigenschaften gezielt und passend zu nutzen.

Lehm ist diffusionsoffen, aber nicht wasserfest. Für Flächen im direkten Spritzwasserbereich – etwa in der Dusche oder unmittelbar an der Badewanne – wäre Kalkputz/Fliesen…(?) die bessere Wahl.

In allen übrigen Bereichen kann Lehm seine Stärken voll ausspielen – funktional wie gestalterisch.

Wie Lehm Feuchtigkeit puffert

Die besondere Fähigkeit des Lehms, Feuchtigkeit aus der Luft aufzunehmen, liegt in seiner Struktur. Genauer gesagt: in der feinschichtigen Anordnung seiner Tonmineralien. Diese bestehen aus mikroskopisch kleinen Plättchen, die sich stapeln, überlagern und dabei eine enorme innere Oberfläche ausbilden.

Ein einziges Gramm Ton kann bis zu 800  innere Oberfläche entfalten – das entspricht der Größe eines Handballfeldes.

Das ist viel Raum zur Anlagerung von Wassermolekülen, die bei Bedarf wieder abgegeben werden. Diese feinporige, reversible Speicherfähigkeit macht Lehm zu einem der wirksamsten Baustoffe zur Regulierung der Luftfeuchtigkeit.